Als Community habt ihr uns immer wieder auf die Lelit Mara X hingewiesen. Wir haben sie gekauft, getestet und danach über Jahre in unseren Home Barista Kursen mit zahlreichen weiteren Exemplaren gearbeitet. Das Ergebnis in einem Satz: Es ist fast frech, was Lelit hier an Preis-Leistung liefert, aber du musst die Temperatursteuerung verstehen, sonst wird die Maschine dich ärgern.
Dieser Artikel bündelt beides, den Test der Mara X und alle Temperatur-Tipps, die wir über die Jahre gesammelt haben.
Welche Mara X hast du? V1, V2 und X3 im Überblick
Bevor es um Temperatur geht, musst du wissen, welche Maschine bei dir steht. Das ist bei der Mara X keine Detailfrage, sondern entscheidet über die Bedienung.
| Version | Erkennungsmerkmal | Was anders ist |
|---|---|---|
| Mara X V1 | rotes Logo | erste Generation mit dem zweiten Temperaturfühler im Wärmetauscher |
| Mara X V2 | kein rotes Logo | technisch nahezu identisch, geänderte Steuerungslogik |
| Mara X3 (PL62X3) | Pagaia-Hebel an der Seite | Pagaia-Flussregelung, 1.699 Euro, andere Temperaturführung |
Die X3 ist ein eigenes Gerät und kein Zwischenschritt. Sie regelt über Pagaia elektronisch den Fluss statt des Drucks und kostet rund 500 Euro mehr als die Vorgängerin. In unseren Temperaturmessungen verhält sie sich ähnlich wie die V2, nur dass die Flusssteuerung eine weitere Ebene einbringt, welche die Temperatur zusätzlich beeinflussen kann. Alles dazu im Test der Lelit Mara X3 und im Technikartikel zu Lelit Pagaia.
Alle Lelit-Geräte, die wir gemessen haben, findest du gebündelt auf unserer Übersichtsseite Lelit im Überblick.
Viel Funktion für verhältnismäßig wenig Geld
Das Leistungspaket sorgt für Erstaunen. Keine andere Zweikreiser-Espressomaschine, die wir kennen, bringt für so wenig Geld so viel Funktion mit: Doppelmanometer, PID-Steuerung, Cool-Touch-Rohre, und dazu ist sie sehr leise.
Der Listenpreis lag in der Schweiz bei 1.490 Franken, in der EU haben wir zahlreiche Angebote unter 1.000 Euro gefunden. Das sind Stände aus unserem Testzeitraum, die Preise schwanken bei Lelit stark, ein Vergleich lohnt sich.
Getestet haben wir die Mara X im Rahmen unseres Vergleichs von 12 Zweikreiser-Espressomaschinen. Wie wir messen, steht im Testprotokoll Espressomaschinen.
Kompakt, klein und schnurrt wie ein Kätzchen
„Brühst du schon?“ habe ich Michel Indelicato in unserem Test gefragt. „Ja, sie ist nur so leise!“ antwortete der Schweizer Vize-Baristameister.
Zum Vergleich haben wir zwei weitere Zweikreiser parallel laufen lassen. Die Lelit lag bis zu 10 Dezibel darunter. Das liegt am Typ der verbauten Vibrationspumpe und daran, dass Lelit an den typischen Klapperstellen Gummi verbaut hat. Die Tropfschale lastet nicht direkt auf dem Metall, sondern auf kleinen Gummilappen, die Abstellfläche für die Espressotassen ebenso.

Weniger klappern dank Gummi-Auflage.
Ein Tipp aus dem Alltag: Achte darauf, dass die Tassen auf der Maschine sich nicht berühren. Sonst hast du dir eine neue Klapperfläche gebaut.
In der Breite bringt es die Mara X auf gerade einmal 22 Zentimeter, etwa 5 Zentimeter weniger als eine Rocket Appartamento. Dem stehen 41 Zentimeter Tiefe und 35 Zentimeter Höhe gegenüber. Mit 18 Kilogramm steht sie fest, die Gummifüße verhindern, dass sie beim Einspannen des Siebträgers mitdreht.
Die Tropfschale ist auffällig groß und tief, sie fasst mehr als einen Liter. Leere sie trotzdem nicht auf den letzten Drücker. Volle Tropfschalen kann man nicht tragen, ohne eine Sauerei zu machen.
Zwei Temperaturfühler: was die Mara X anders macht
Die Temperatur-Kontrolle der Mara X unterscheidet sich von allen anderen Zweikreisern. Wer sie wie einen klassischen Zweikreiser bedient, wird Schwierigkeiten haben, die Temperatur in den Griff zu bekommen.
Ein klassischer Zweikreiser mit E61-Thermosyphon hat eine Sonde im Dampfboiler. Der Boiler gibt seine Wärme über den Wärmetauscher an das Brühwasser ab, das in einem separaten Rohr durchläuft. Die Steuerung ist entsprechend unpräzise. Sie variiert, wenn viel Wasser durch den Wärmetauscher saust, und der Thermosyphon neigt bei längerem Stillstand zum Überhitzen. Deshalb muss man bei solchen Maschinen vor dem Brühen ausreichend spülen.
Lelit hat einen zweiten Temperaturfühler eingebaut, direkt im Wärmetauscher. Er prüft die ankommende Temperatur und heizt gezielt nach. Was diese Brühgruppe grundsätzlich ausmacht, steht in unserem Artikel zur Faema E61 Brühgruppe.

Brühpriorität und Schäumpriorität richtig schalten
Die Mara X kennt zwei Betriebsmodi, und du bedienst sie über zwei verschiedene Schalter. Das ist die häufigste Verwechslung.
Bei älteren Maschinen und in manchen Bedienungsanleitungen ist die Zuordnung der Schalterstellungen unterschiedlich beschrieben, teilweise wurden Mara X mit Anleitungen der Vorgängerversion ausgeliefert. Verlass dich deshalb nicht auf das Etikett, sondern auf das Manometer. In der Schäumpriorität regelt die Maschine je nach Stufe auf einen Kesseldruck von 1 bar, 1,2 bar oder 1,5 bar. In der Brühpriorität regelt sie stattdessen auf die Brühtemperatur, der Kesseldruck ist dann das Ergebnis und läuft nicht auf einen dieser drei Werte zu.
Rechne beim Umschalten mit mindestens 15 Minuten, bis sich die Maschine im neuen Modus stabilisiert hat.

Die Temperaturstufen der Lelit Mara X.
Welche Temperatur liefert welche Stufe?
Hier wird es interessant, denn wir haben zwei Messreihen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Das ist kein Widerspruch, sondern die Erklärung dafür, warum im Netz so unterschiedliche Werte kursieren.
| Stufe | Erste Messreihe (Spülen vor dem Bezug) | Zweite Messreihe (Spülen nach dem Bezug) |
|---|---|---|
| Stufe 0 | 93 bis 94 °C | 90 bis 91 °C |
| Stufe 1 | 96 °C | 91 bis 92 °C |
| Stufe 2 | 98 °C | 93 bis 95 °C |
Der Unterschied kommt allein von der Spülroutine. In der ersten Messreihe haben wir zwischen den Bezügen gespült, wie man es bei einem klassischen Zweikreiser macht. Damit haben wir die Temperatur über die Solltemperatur hinaus gejagt, weil der Fühler im Wärmetauscher auf das durchlaufende Wasser reagiert und nachheizt. Das Ergebnis waren zu heiße Bezüge und, in unserem Zweikreiser-Vergleichsvideo, ein ziemlicher Temperatur-Crash.
Wir haben daraufhin Kontakt zu Lelit aufgenommen. Die Antwort war kurz: kurz spülen nach dem Bezug, nicht vor dem Bezug. Und wirklich kurz. Mit dieser Routine sind die Werte der zweiten Messreihe entstanden, und die sind die belastbaren.

Der Abstand zwischen den Brühungen wurde verkürzt. Dadurch reduzierte sich die Brühtemperatur.
Die intelligente Lösung der Mara X kompensiert einige typische Probleme von Zweikreisern mit Thermosyphon. Dafür lohnt es sich, den eigenen Rhythmus an die Maschine anzupassen statt umgekehrt.
Aktualisierte Temperaturmessungen
Die folgenden Messungen haben wir mit zwei weiteren Mara X aufgenommen. Die gleichen Erfahrungen haben wir in unseren Home Barista Kursen mit zahlreichen weiteren Maschinen gemacht.





Temperatur zu Hause selbst kontrollieren
Wir haben die Temperatur im Thermosyphon gegen unseren Messsiebträger verglichen und dafür ein kleines Thermometer von Coffee Sensor in die Brühgruppe geschraubt. Das Ergebnis ist eindeutig und mehrfach reproduzierbar: Der Coffee Sensor zeigt 1 bis 2 Grad mehr an als im Sieb ankommt. Am Anfang eines Bezugs liegt er bei rund zwei Grad Abstand, danach pendelt er sich bei etwa 1,5 Grad ein.
Zieh vom angezeigten Wert 1 bis 2 Grad ab, dann hast du die Temperatur, die tatsächlich am Kaffee ankommt. Wenn der Sensor 95 Grad zeigt, brühst du bei etwa 93 bis 94 Grad. Das klingt nach einer Kleinigkeit, entscheidet aber darüber, ob du im Zielfenster liegst oder zwei Grad darüber.
Ein solcher Sensor ist bei der Mara X sinnvoller als bei den meisten anderen Maschinen. Weil die Temperatur beim Bezug ansteigt und bei kurzen Abständen zwischen den Bezügen abfällt, siehst du mit dem Sensor sofort, ob die Maschine im gewünschten Bereich läuft oder nach oben ausgebrochen ist. Für den Preis eines Thermometers ist das die sinnvollste Ergänzung, die du an dieser Maschine vornehmen kannst.
Milch schäumen und Cappuccino machen
Die Mara X hat beim Schäumen überzeugt, und zwar auch im Brühprioritäts-Modus. Wir waren von der Power beeindruckt. Die Rollphase ist so kraftvoll, dass kleine und größere Bläschen zerkleinert werden und ein sämiger Schaum entsteht.
Interessant dabei: Die Milch heizt nicht schnell auf. Das schenkt zusätzliche Zeit beim Schäumen und macht die Maschine für Einsteigerinnen und Einsteiger im Milchschaum attraktiv.
Weil das Schäumen im Brühprioritäts-Modus praktisch gleich gut funktioniert wie im Schäum-Modus, sehen wir keinen Grund umzuschalten. Der einzige Grund wäre, dass du die Maschine bewusst klassisch fahren willst wie andere Zweikreiser am Markt.
Cool-Touch und andere gute Ideen
Dampflanze und Teewasserauslass haben Cool-Touch-Rohre und werden außen nicht heiß. Die E61-Brühgruppe ist durchwärmt, dort besteht Verbrennungsgefahr. Üblich sind in dieser Preisklasse Gummiüberzüge oder Plastikgreifer an der Lanze. Dass Lelit hier die in der Herstellung teureren Rohre verbaut, ist ein echtes Plus und im Sinne der Nutzer gedacht.
Der Dampfkessel fasst 1,8 Liter und sorgt für Temperaturstabilität. Über den Wärmetauscher gibt er die Wärme an das Brühwasser ab.

Seitenansicht der Lelit Mara X.
Das Doppelmanometer zeigt den Druck im Boiler und den Brühdruck an, es ist schick und praktisch. Der Wassertank lässt sich entnehmen und direkt am Hahn füllen. Verwende dafür weiches Wasser. Beim Zubehör liegt ein Holztamper der Größe 58 Millimeter dabei sowie eine Erhöhung der Abstellfläche für den Espressobezug. Eine automatische Standby-Funktion ist integriert, wie bei allen neuen Espressomaschinen mit EU-Zulassung.

Doppelmanometer der Lelit Mara X.
Die Verarbeitung ist hochwertig, Edelstahl reduziert die Rostgefahr. Bei ungebrochenen Metallkanten spielt die Mara X im Durchschnitt mit.
Wo du die Lelit Mara X kaufen kannst
Wir verkaufen selbst keine Espressomaschinen. Seit drei Jahren nicht mehr, damit wir über Maschinen schreiben können, ohne dass unser eigener Umsatz mitliest.
Was wir tun: Wir suchen für euch nach Fachpartnern, von denen wir wissen, dass sie gute Arbeit und guten Service bieten, und wir stehen mit diesen Händlern in engem Austausch. Bei der Mara X ist das Stoll Espresso, die eine sehr kompetente Werkstatt führen und auch über den Kauf hinaus ein guter Ansprechpartner bleiben.
Es handelt sich um einen Provisionslink. Wenn ihr darüber bestellt, kostet es euch nicht mehr, aber wir bekommen eine kleine Provision, die wir in neues Test-Equipment stecken.
Fazit zur Lelit Mara X
Es ist schon fast frech, was hier in Sachen Preis-Leistung geliefert wird. PID-Kontrolle der Temperatur, zwei Temperaturfühler, ein Doppelmanometer und Cool-Touch-Rohre in einer Maschine, die als Einsteigergerät verkauft wird. Und sie ist sehr, sehr leise. In der Folge wird der Rest des Hauses nicht mehr von der Pumpe wach, sondern von der Mühle.
Die Espresso- und Milchschaumqualität ist gut bis ausgezeichnet. Lelit hat an vielen Stellen mitgedacht und Ideen der Community umgesetzt. Kompakt ist die Maschine ohnehin, mit 22 Zentimetern Breite passt sie in Küchen, in denen andere E61-Maschinen nicht stehen können.
Der Preis dafür ist, dass du dich auf ihre Logik einlassen musst. Nach dem Bezug spülen statt davor, zwei Minuten zwischen den Bezügen, und nach einer langen Session Geduld. Wer das macht, bekommt eine sehr präzise und verlässliche Espressomaschine. Wer sie wie einen klassischen Zweikreiser bedient, wird sich über die Temperatur ärgern.
Für wen sie nicht das Richtige ist: Wenn du regelmäßig für mehrere Personen hintereinander brühst, ist ein Dualboiler wie die Lelit Elizabeth die passendere Wahl. Wenn du Flow Profiling willst, schau dir die Bianca V3 an, bevor du zur Mara X3 greifst.
Klasse, das macht Freude.
Wie immer haben wir auch diese Espressomaschinen selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von Lelit angefragt.




















